Die „Home-Office mit Kids“- Challenge

Home office

Die „Home-Office mit Kids“- Challenge

Expertinnen-Tipp zum Thema Home-Office mit Kids und dem Zeitvertreib!

„Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben ist für Eltern im Alltag generell eine große Challenge. Jetzt verbindet uns alle zusätzlich die Sorge um unsere Gesundheit, die unserer Lieben, die Organisation des täglichen Lebens und unsere wirtschaftliche Existenz. Viele fühlen sich aus unterschiedlichen Gründen überfordert und alleingelassen. Home-Office mit Kids ist eine große Herausforderung, aber auch die viele Zeit – an Zeit.

Wie kann es gut funktionieren das Miteinander? „Es braucht klaren Strukturen“, weiß Katharina Hofer-Schillen, Coach und Autorin des Bestsellers „Die Mami Challenge“. Die Work-Life-Balance Expertin, selbst Mutter zweier Kinder (13/14) und auch von der Situation Home-Office betroffen, verrät ihre 9 Tipps für ein gutes Miteinander leben und arbeiten. Alle Infos auch unter www.katharinahoferschillen.com

Make

1. Der Tag braucht Strukturen

Best Case: ein Haus mit Garten, ein verständnisvoller, geduldiger Partner, eine sichere Arbeitsstelle. Dann ist alles gut. Aber leider trifft es die Mehrzahl an Familien sehr hart. Gerade alleinerziehende Mütter sind hier auf sich gestellt. Kleine Wohnung, unterforderte Kinder, Schule, Angst um die Existenz, Unterstützung so gut wie keine.

Aber für uns alle gilt: Wir haben jetzt keine Alternative und wo es keine Alternative gibt, braucht es auch keine Entscheidung. Was wir brauchen – die Großen und Kleinen – sind Strukturen.

Legen Sie den Tagesablauf im Voraus fest. Nehmen Sie dazu ein Blatt Papier und besprechen Sie am Abend mit der Familie den Folgetag. Genaue Zeitangaben und Aktivität werden eingetragen. Wann ist Frühstück? Wann sind Lernzeiten? Wann sind Essenszeiten? Wann ist freie Zeit für jeden? Wann ist die Zeit für frische Luft? Wann ist Spielzeit? Wann Fernsehen- und Handyzeiten u. s. w. Wann wird der Papa, die Mutter, die Geschwister für die Kinderbetreuung eingeteilt? Hängen Sie den Tagesablauf (Stundenplan) sichtbar auf. Dann weiß jeder, wo er vom Zeit- und Aktivitätenplan steht und kann sich orientieren.

2. HOME – OFFICE

Home Office

Copyright: Andreas Schuller

Homeoffice funktioniert sehr gut im rotierenden System. Wann übernimmt die Mutter? Wann der Vater? Wann die Geschwister? Wann ist das Kind mit sich allein beschäftigt? (Stundenplan).

Ab einem bestimmten Alter können die Kinder auch allein spielen. Das kann man erwarten, man übergibt mit gutem Gefühl die Verantwortung an sie,
denn: wir sind nicht die Amateure unserer Kids. Auch nicht in der
Zukunft. Selbstständiges Lernen und spielen ist wichtig, auch Langeweile. Das fördert die Kreativität, das Selbstbewusstsein und das Verantwortungsgefühl.

Ganz wichtig: Seien Sie authentisch. Sagen Sie den Kindern, dem Partner, dass Sie jetzt Unterstützung brauchen (klare Ansagen). Kinder mögen es, wenn man ehrlich mit ihnen spricht (altersbedingt). Auch das: „Du beschäftigst dich jetzt bitte allein, bis der Wecker klingelt.“ (einen Wecker danach stellen). „Und dann kommt die Mama und wir spielen wieder gemeinsam“. Probieren Sie es aus! Und wenn es funktioniert, gibt es eine Belohnung.

Und was mache ich, wenn ich alleinerziehend bin? Je nach Alter, können Sie die Kleinen auch ein Office aufbauen mit Taschenrechner und Belegen, die sie sortieren sollen nach Datum oder Höhe des Einkaufsbetrags. Hier hilft es, kreativ zu sein, allerdings mit klaren Auflagen, wie gesagt: „Ihr/ du spielst jetzt bitte, bis der Wecker läutet. Mama braucht eure Unterstützung.“

3. Netto- Arbeitszeit

Verlagern Sie die Arbeit mehr in die Tagesrandzeiten. Lassen Sie die Kinder ein wenig ausschlafen und erledigen dafür schon zwei Stunden Arbeit in der Früh. Nutzen Sie andererseits die Zeit am späten Nachmittag und Abend ab 18 oder 19 Uhr, um nochmals konzentriert in den Job einzusteigen. Insgesamt lassen sich so vier bis fünf Stunden fokussierter Arbeit pro Tag erreichen.

4. Die Schule

Hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen von den Eltern, auch was die Anforderungen seitens der Schule betrifft. Es ist auch verständlich, dass der Unterrichtsstoff selbst Eltern nicht mehr einleuchtet. Was allerdings nicht produktiv ist, wenn in dieser allgemein angespannten Zeit, das System Schule die Familie zum Kippen bringt und noch zusätzlicher Stress entsteht. Es ist für die Kids so oder so eine schwierige Situation, aber vor allem auch für die Eltern. Hier Druck rausnehmen oder auch den Lehrer anschreiben.

5. Rückzugsorte

Freie Auszeiten für jeden, auch für die Eltern! Dazu Rückzugsorte schaffen. Gerade in einer kleinen Wohnung sehr wichtig und möglich! Das kann die Küche, das Schlafzimmer, der Balkon sein. Dekoration, eine schöne Sitzecke, Kerzenlicht, ein kleines Tischchen.

Jedes Familienmitglied hat das Recht, sich zurück zu ziehen und Pausen einzulegen. Es sollte auf keinen Fall durchgearbeitet werden. Ein guter Zeitpunkt ist, wenn die Kleinen den Mittagsschlaf halten. Kinder und Jugendliche dürfen ihre Zimmer schließen.

6. Ideen für die Auszeit

Copyright: Andreas Schuller

Fassen wir zusammen: die Wohnung glänzt, der Garten ist vorbildlich, das Auto sauber, die Garage aufgeräumt, sämtliche Kochrezepte ausprobiert, die UNO-Karten zum Glühen gebracht, die Kleiderschrank aussortiert, das Büro ausgemistet. Und doch gibt es so unzählig viele Dinge, die uns den Tag mit Freude bereichern. Dinge, die uns wirklich Spaß machen. Was habe ich früher so gerne gemacht?

Nehmen Sie ein Blatt Papier zur Hand und schreiben Sie auf, was Ihnen wirklich wirklich Freude bereitet, was Sie motiviert und Ihnen Kraft gibt (innerhalb der vier Wände versteht sich). Sie werden erstaunt sein, wie viel Vergessenes zum Vorschein kommt.

Hier noch ein paar Anregungen:

  • Kinderzimmer, Räume neugestalten mit Materialien, die vorhanden sind (Bilder, Kissen, Umstellen, Regale umbauen, Sessel…). Ideen liefert Printerest.
  • Aussortieren: Kleider, Schränke, Bücher, Garage, Ordner, Zeitschriften, KrimsKrams…
  • Fotos auf dem Handy löschen, sortieren, ausdrucken, aufhängen. Ein Bilderbuch anlegen mit den Lieblingsfotos
  • Office: Büroablagesystem, Computerdateien, Dokumente … auf den neuesten Stand bringen
  • Kochrezepte einkleben und ausprobieren
  • Rituale schaffen (gemeinsames lesen auf der Coach, Kreuzworträtsel,Spieleabend, Sportaktivitäten. Die Uhrzeit sollte laut Tagesplan eingehalten werden. Sich mit einem Lieblingsmenschen verabreden und via Skype oder Facetime telefonieren, dann fühlt man sich noch verbundener.
  • Ein Buch schreiben oder Briefe an Lieblingsmenschen
  • Jemanden sagen, wie wichtig er ist (einmal am Tag jemanden dazukontaktieren)
  • Bücher lesen und alte CDs hören
  • Viel in der Natur sein, wo keine Menschen sind und Achtsamkeit üben
  • Eine Sprache lernen (20 Vokabeln am Tag)
  • Das Allgemeinwissen verbessern (Erdkunde, Weltgeschichte, einen Onlinekurs machen) Facebook – Handy – Instagram: Kontakte „aussortieren“
  • Neue Kontakte aufbauen (Netzwerken)
  • Wir Eltern regen uns über das Schulsystem, den Lernstoff auf. Jetzt haben wir die Möglichkeit den Kindern das beizubringen, was in der Schule fehlt. Beispielweise: Wie funktioniert das Leben nach der Schule? Was sind Steuern? Was ist ein Konkurs? Wie können wir die Umwelt noch besser schützen? Weltgeschichte, Geografie…

7. Rituale und Schönes

Vermitteln Sie bitte keine Angst. Besorgnis ja, aber nur dosiert. Ältere Kinder wissen, was los ist. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, schöne Momente zu schaffen. Qualitätszeit. Kreative Ideen gemeinsam entwickeln, Ostereier bemalen, den Balkon schmücken, Kleider nähen, musizieren, Puzzle-Wettbewerbe, Hörspiel- CDs hören…

Die Kleinen: Briefe schreiben oder Bilder malen und an die Großeltern schicken. Etwas mit der Post zugeschickt bekommen ist etwas ganz Besonderes (Briefmarken im Vorrat kaufen). Vielleicht nutzen Sie die Gelegenheit ebenso und schreiben Ihren Eltern/Elternteil. Ein Dankeschön oder lustige Erinnerungen an einen Familienurlaub. Es gibt sicher vieles zu sagen bzw. zu schreiben, wofür man bisher keine Zeit oder Gelegenheit gefunden hat.

Bewegung und frische Luft ist wichtig. In der Natur durch den Wald spazieren gehen querfeldein, wo keine Menschen sind. Das macht es besonders. In Parks, wenn sie geöffnet sind, unbedingt Abstand halten. Ein kleines Plätzchen gibt es immer.

Für zu Hause, bei Schlechtwetter. Fit mit Kids. Viele Ideen auf YouTube und Instagram.

Schöne Rituale (meist zur gleichen Uhrzeit!):

  • Gemeinsam lesen (jeder für sich auf dem Sofa)
  • Mittags Kuchen und/oder Eis, was Süßes
  • Kreuzworträtsel lösen und Mandalas ausmalen
  • Spaziergänge, dort wo keine/kaum Menschen sind
  • Picknick an geheimen Orten
  • Beauty – Massage- Haar & Make up …

8. Kids-Cooking

Gemeinsam kochen ist für mich persönlich ein großes Thema. Schön sehr früh habe ich meine Kinder ans Kochen und Zubereiten herangezogen, für sich zu sorgen, wenn Sie Hunger haben. Altersbedingt angefangen mit einem Müsli richten, Brot mit Butter und Honig/Schnittlauch. Kleine, einfache Snacks. Dann steigern: Rühreier, Palatschinken, Nudeln. So schaffen Sie eine Grundlage für das Leben: Bewusstseinsschaffung, Genuss, Qualität, Geschmack, Auswahl der Zutaten, Experimente. Dafür ist jetzt Zeit, auch, um danach gemeinsam die Küche aufzuräumen.

Holen Sie sämtliche Kochbücher an Bord und lassen Sie die Kids darin stöbern. Jeder darf sich Rezepte aussuchen. Je nach Schwierigkeitsgrad wird dann gestartet, natürlich mit Ihrer Unterstützung. Hier ein paar einfache Rezepte als Inspiration.

Bitte beachten: Was gibt der Kühlschrank her? Es sollte nicht täglich eingekauft werden!!! Hier hilft eine Liste, wo man aufschreibt, was fehlt und dann beim nächsten Einkauf besorgen (5 – 7 Tage). Im Voraus kaufen und auf dem Balkon lagern.

Und unbedingt: Schokoladen- oder Fleisch Fondue, Raclette… Menüs, die es sonst meist nur an Feiertagen gibt. Das ist etwas Besonderes und diese Momente lieben die Kinder und auch wir Erwachsene. Ganz nach dem Motto: „Wenn schon anders, dann besser.“

9. Schwäche zeigen

Keine Sorge. Wir müssen nicht alles im Griff haben. Jeder von uns hat seine Stärken und Schwächen und vor allem ein Limit an Geduld. Gehen Sie vor die Türe und atmen Sie tief durch. Es darf auch mal laut krachen. Dann gehört dazu, zu sagen, warum man so reagiert hat. Ein Dankeschön ist auch wunderbar. Ein ehrliches Danke, wenn etwas gut funktioniert. Oder eben auch ein „so kann es nicht weitergehen.“ Teilen Sie sich mit (klare Ansagen). Wertschätzende Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil im Alltag. Auf Augenhöhe, mit Respekt und schönen Worten.

Mehr Infos zu Katharina Hofer-Schillen findest du hier.